Am 12. April 1905 wird Reinhold Escher als jüngstes von vier Kindern von Friedrich Louis Escher und Helene Escher, geb. Zastrow, in Hamburg geboren. Der Vater arbeitet als Brauführer, und
so wächst der kleine Reinhold auf einer Brauerei auf. Aber statt sich beizeiten um die Kunst des Bierbrauens oder zumindest des Biertrinkens zu kümmern (sein erstes Bier wird er mit 21 Jahren probieren), hat der Knips nur eines im Kopf: Zeichnen. Wo Hopfen und Malz gelagert werden, gibt es immer reichlich Mäuse. Und so ist es nicht verwunderlich, dass der Knabe Reinhold auf langen Papierstreifen, die als Abfall anfallen, nicht nur endlose Indianerschlachten zeichnet, sondern früh schon Mäuse, Käfer und anderes Kleingetier. Bereits im Vorschulalter geginnt er mit der umfangreichen Produktion von Comic-Strips im wahrsten Sinne des Wortes.
AUSBILDUNG UND ERSTE ARBEITEN
Als Reinhold Escher die Schule beendet, soll er Schornsteinfeger – ein Hamburger Sottje – werden. Aber statt Ruß aus fremden Kaminen zu kehren, bringt er lieber mit Kohle seine eigenen Ideen aufs Papier. Bereits mit 13 Jahren besucht er die Kinderkurse der staatlichen Kunstgewerbeschule in Hamburg. Es folgt eine Maler-Lehre und von 1923–1927 wieder die Kunstgewerbeschule, an der er sich zum
Dekorationsmaler ausbilden lässt. Auch Aktzeichnung gehört zum Programm, was ihm beim späteren figürlichen Schaffen zugutekommen wird. Zwei Jahre übt Escher den Beruf des Dekorationsmalers aus. Dann bringen ihn Bauhaus und Weltwirtschaftskrise um seine Arbeit. Die Zeit ist zu Ende, in der man sich die Häuser dekorativ ausmalen lässt. Die strenge Architektur der Bauhaus-Bewegung setzt sich durch. So schnürt Reinhold Escher die Stiefel und sein Bündel mit Malutensilien und begibt sich zusammen mit seinem Freund Karl Duch auf die Wanderschaft. Wo immer sie Arbeit finden, machen die jungen Gesellen Halt. Schließlich landen sie in der Schweiz, in Rorschach am Bodensee. Dort feiert Escher Erfolge mit seiner Bauernmalerei, aber nach wie vor zeichnet er auch lustige Geschichten. Über seinen Freund Karl kommt er zum renommierten Schweizer Sati
reblatt
Nebelspalter, für den er von 1929 bis 1935 immer wieder arbeitet. Als der Vater unerwartet stirbt, kehrt Escher nach Hamburg zurück. Dort beginnt seine Karriere als Presse-Zeichner. Für die Hamburger
FUNKWACHT zeichnet er zuerst schmale Kopfspalten über dem Programmteil, danach ganze Seiten in Zusammen-Arbeit mit dem maritimen Autor Konrad Tegtmeier. Für den
KLEINEN GENOSSENSCHAFTER (siehe ›Deutsche Comicforschung 2008‹), Kinderbeilage der Mitgliederzeitschrift ›Die Genossenschaftsfamilie‹, entstehen die erste Bilderserie ›Peter mit dem Mikrophon‹ sowie einige Titelseiten. Daneben illustriert Escher für die
JUGENDBURG und kreiert den Pantomime-Streifen ›Die seltsamen Abenteuer des Vollmatrosen Hein Ei‹ für die
HAMBURGER ILLUSTRIERTET.
Der Krieg unterbricht Eschers stetig steigende Karriere als humoristischer Presse-Zeichner. 1940 wird er zum Militär eingezogen. Zu seinem großen Glück muss er nicht an die Front, sondern wird als Zeichner für die Truppen-Betreuung beschäftigt.
Ebenfalls im Jahr 1940 heiratet Reinhold Escher die Journalistin Grete Kirchhoff,
mit der er nicht nur eine Familie gründet, sondern später über zwei Jahrzehnte gemeinsam die Mecki-Geschichten aushecken wird.
Im lettischen Riga arbeitet Escher bei der Baukompanie. Zusammen mit seinem Freund, dem Richter und Dichter Helmuth Brauer, schildert er auf launige Weise das Leben und die Taten der Luftwaffen-Bausoldaten – zwei Büchlein sowohl für die Soldaten wie auch für ihre Familien. Die
Freundschaft mit der Familie Brauer wird nicht nur ein Leben lang halten, sondern besteht zur Zeit in der vierten Generation. Dieses ist das einzig Positive, das es aus dem Krieg zu berichten gibt. Bis auf die Geburt seines Sohnes Helmar im Januar 1943.
Die junge Familie Escher hat die Möglichkeit, dem Bombenhagel in Hamburg zu entgehen und ist auf einem Bauernhof im Südschwarzwald evakuiert. Hier – in Waldshut – wird 1946 die Tochter Regine geboren. Und hierhin kehrt Reinhold Escher zunächst zurück, als er aus französischer Kriegs-Gefangenschaft entlassen wird.
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